Die Schotten waren da!

von Reinhard Bartsch

Der Hochsauerlandkreis führt seit Jahren einen regen Aus­tausch mit seinem schottischen Partnerkreis West Lothian durch. Neben einer Vielzahl an kulturellen Begegnungen fand ein Sportaustausch in den Bereichen Fußball, Golf und Schwimmen statt. Die Schotten fragten 2008 an, ob man sich vorstellen könne, auch einen „Exchange“ im Bereich Segeln ins Auge zu fassen. So war schnell die Verbindung zum Vorsitzenden der Seglergemeinschaft Möhnesee Südufer (SMS), Uli Papencordt, geschlagen, der als stellvertretender Leiter der Musikschule Hochsauerlandkreis beschäftigt ist.

Nach langer Vorbereitung durch Karin Rusche vom YCWA, Uli Papencordt und Jugendwart Reinhard Bartsch war es am 10. August 2009 endlich soweit: Die schottischen Jugendli­chen aus West Lothian waren auf dem Weg zum Möhnesee.

Zehn Jugendliche des RFCM warteten ungeduldig und et­was unsicher auf die Ankunft der Schotten. Der Jugendwart hatte viele Fragen zu beantworten: „Können die überhaupt segeln?“ „Lassen wir die auf unsere Boote?“ „Kommen die gar im Rock?“ „Wie sollen wir denn mit denen reden?“  Ganz unvorbereitet waren die Gastgeber ja nicht! Aus dem Internet hatten sie sich die wichtigsten Segelausdrücke in englischer Sprache ausgedruckt, das Wörterbuch lag griff­bereit am Steg. Und: „Wir hatten die Hoffnung, dass  die Gäste unser Englisch verstehen, vor allem aber, dass  die Gäste keinen ausgeprägten Dialekt sprechen würden.“Die Spannung stieg – von den „scotsmen and -­girls“ um 15 Uhr keine Spur… Dann gab es die Information, dass die Schotten gerade in der Jugendherberge angekommen wären, nun die Zimmer bezögen und dann Kaffee (oder war es doch Tee?) und Kuchen bekämen. Um kurz nach 16 Uhr kamen sie dann endlich! Zehn fröhliche Jugendliche in Begleitung ihres Trainers George und eines Kameramannes (jawohl, richtig gelesen, Chris war extra engagiert um die Premiere auf DVD festzuhalten), alle fx und fertig in Segelmontur, und sie traten etwas unsicher auf den Jugendsteg.

Die Teilnehmer des Jugendsegelaustauschs 2009

Die Teilnehmer des Jugendsegelaustauschs 2009

Die anfängliche schüchterne Begrüßung wich ganz schnell der Neugierde auf die Boote. Und viel schneller als gedacht, saßen die Schotten und die Gastgeber­Kids bunt gemischt in den RFCM-­Jugendbooten und freuten sich auf die ersten Schläge bei angenehmen 3 Beaufort. Sprachprobleme? Kein bisschen. Die gemeinsame Basis bzw. Sprache war das Segeln! Nach gut zwei Stunden Segeln, in denen alle Vorurteile abgebaut wurden (denn die schottischen Kids können segeln!) hieß es dann, die Boote zum Transport auf die andere Seite der Fußgängerbrücke fertig machen. Schnell waren die Masten gelegt, und die Boote wurden dann von zwei DLRG­-Booten zum Yachtclub Westfalia Arnsberg geschleppt. Dort gab es zunächst ein gemeinsames Abendes­sen mit den Jugendlichen des YCWA und den Teilnehmern der parallel stattfndenden „Opti-Woche“.

Nach dem Abendessen folgte die „offzielle“ Begrüßung, während der auch noch grundsätzliche Regeln für alle Teil­nehmer der kommenden Segelwoche besprochen wurden. Im Anschluss hieran erhielten alle Teilnehmer ein leuchtend blaues T­Shirt mit der Aufschrift: „Sailing – simply the best“. Nach erstem Kennerlernen und gemeinsamen Spielen ging es dann zu Fuß zurück in die Jugendherberge.

Der Dienstagmorgen stand ganz im Zeichen des gemeinsamen Segelns. Die Schotten und die acht teilnehmenden Kids des RFCM teilten sich mit sichtlicher Freude die Jugendboote, wobei immer gemischte Mannschaften unterwegs waren. Am Nachmittag wurde dann gemeinsam die Staumauer des Möhnesees besichtigt. Die interessante Exkursion führte tief ins feucht kalte Innere der Mauer (die zugehörigen Erläute­rungen gab es fast ausschließlich in Englisch). Nach so viel Aktivität und frischer Luft klang der Tag mit dem gemeinsamen Abendessen ruhig aus.

Mittwochmorgen ging es direkt nach dem Frühstück mit  den acht Kids des RFCM zum Lörmecketurm. Sehr zum Leidwesen der „armen“ Kinder bzw. Jugendlichen war dies aber mit einem etwa drei Kilometer langen Fußmarsch bis zum Aussichtsturm verbunden. Dafür entschädigte aber  der weite Blick vom immerhin 35 m hohen Turm über das schöne Sauerland. Im Anschluss war ein obligatorischer Besuch beim Partnerkreis Hochsauerlandkreis angesagt,  wo man vom Kreisdirektor Winfried Stork freundlich  empfangen wurde. Nach dem Mittagessen in der Kantine des Kreishauses in Meschede besichtigten oder besser „beging“ man im strömenden Regen die Bobbahn in Winter­berg. Das theoretische Wissen konnten die Kids dann gleich auf der Sommerrodelbahn in die Praxis umsetzen, was sie auch ausgiebig taten. Um 20 Uhr kehrten dann alle in die Jugendherberge zurück.

Der Donnerstag begann mit dem gemeinsamen Segeln, wobei schon eifrig für die Regatta geübt wurde. Die Boots­besatzungen wurden wieder „international“ gemischt. Nach dem leckeren Mittagessen wurden bereits die ersten Regat­taläufe durchgeführt.

Abends wurde dann die Kegelbahn der Jugendherberge von den teilnehmenden Jugendlichen intensiv genutzt. Die Mannschaften waren wieder bunt gemischt, lediglich die Teamchefs waren jeweils ein schottischer und ein deutscher Jugendlicher. Nach einem an Spannung kaum zu überbie­tenden „Kegelkrimi“ ging der Mannschaftssieg denkbar knapp an die Gruppe unter dem schottischen „Chief“. Damit durften die schottischen Segler den Pokal mit auf die Insel nehmen. Aber der wird im kommenden Jahr an die Möhne zurückgeholt, da ist sich die ganz knapp unterlegene Mann­schaft sicher. Nicht alle Jugendlichen konnten oder wollten sich nach dem Kegeln von den Schotten trennen. David und Michael sind gleich über Nacht in der Jugendherberge geblieben.

Am Freitagmorgen dann sehr lange Gesichter! Der Möhnesee lag spiegelblank da, kein bisschen Wind, absolut Null! Gut, dass die ersten Regattaläufe bereits am Vortag stattgefunden hatten. Ein paar ganz Unentwegte ließen sich trotzdem nicht davon abhalten, mit einigen Booten auf den See zu gehen. Aber es war ein trauriges „Dahindümpeln“. Glücklicherweise kam gegen Mittag ein klein wenig Wind auf, so dass die Boote sich doch noch leicht bewegten.

Vor der Siegerehrung am Nachmittag mussten einige Eltern und Betreuer unter Beweis stellen, dass auch sie schwierige Aufgaben rund um das Segeln beherrschten. Hierzu wurden zwei Mannschaften gebildet, die im Wettkampf zunächst eine liebliche Prinzessin befreien, dann die Kinder an den Steg zurückholen und sich schließlich im Tauziehen erproben mussten. Hört sich alles einfach an, aber um die Prinzessin aus ihrem Boot zu befreien, musste man zunächst über drei aneinandergebundene Surfbretter zu ihr gelangen! Auch das Tauziehen fand an einer Stelle im Möhnesee statt, wo keiner mehr Kontakt zum Grund hatte! „Mich erinnerte das alles sehr an die Sendung „Spiel ohne Grenzen“. Zu mindest bekamen wir anschließend alle Duschmarken, um uns wieder aufzuwärmen“, erinnert sich Jugendwart Reinhard Bartsch.

Bei der feierlichen Siegerehrung im Beisein von Vertretern der Vorstände beider teilnehmender Segelclubs ging keiner leer aus! Jeder erhielt eine Medaille und noch diverse gesponserte Geschenke wie Taschenlampen oder USB-­Sticks. Der Abend klang mit dem gemeinsamen Grillen aus.

Am letzten Tag nahmen die Schotten und die Jugendlichen des RFCM gemeinsam an der Sommerregatta des SMS teil. Aufgrund der erfreulich hohen Teilnehmerzahl an der Regatta einigte man sich schnell, dass die Jugendlichen separat gewertet werden sollten, sprich dass zeitversetzte Starts durchgeführt wurden. Der erste Lauf startete um 11.30 Uhr. Eine halbe Stunde nachdem das letzte Boot die Zielmarke passiert hatte, folgte der zweite spannende Regattalauf. In Siegerlaune stärkten sich dann alle am leckeren Grillgut, und die Kids konnten sich auf dem schönen Gelände des SMS austoben.

Bei der Siegerehrung gab es wieder für jeden Teilnehmer eine Medaille. Nach einem leicht sentimentalen Rückblick auf die sehr gelungene Woche ließen es sich die Gastgeber nicht nehmen, auch George und Chris ein paar Spezialitäten aus der Region mit auf den Weg zu geben. Hierbei darf vor allem das „Chris­water“ nicht vergessen werden, eine neue Bezeichnung für ein allseits beliebtes deutsches Hopfengetränk, für das sich Kameramann Chris besonders erwärmt hatte!

Anschließend feierten alle bis tief in die Nacht die Regatta, den erfolgreichen Jugendaustausch, die vielen neuen positiven Eindrücke und vor allem die sich entwickelnden Freund­schaften unter den Kindern, Jugendlichen und Betreuern beider Länder.

Fazit für die Seglergemeinschaft: Eine rundherum gelungene fröhliche und spannende Woche, in der ganz sicher viele Vorurteile ab­ und Freundschaften aufgebaut wurden. Aus anfänglicher Skepsis wurde Begeisterung! Seit dem ersten Besuch 2009 fndet jedes Jahr wechselseitig ein Besuch statt.