Gründungsgeschichten

von Wilfried Gundel

Im Juli 1971 unternahm der Leiter der Kreisvolkshochschule, Willi Odenthal, eine Urlaubsreise nach Schottland. Diese ihn sehr beeindruckende Fahrt in den Norden „der Insel“ führte ihn auch nach West Lothian, da dort eine „neue  Region“ entstanden war mit Livingston als einer Stadt aus der Retorte in einer zum wirtschaftlichen Wachstum auser­korenen Region. Willi Odenthal knüpfte dort erste Kontakte mit Offziellen aus der regionalen Verwaltung. Dank einer Panne: Er war mit dem Wohnwagen unterwegs und hatte einen Motorschaden. Da ging er zur Kreisverwaltung in Livingston und klopfte beim Kulturamt an. Von dort aus  ist ihm geholfen worden. So sprang der Motor wieder an – und auch der für die Partnerschaft.

24. August 1972, Arnsberg – Gründung der Partnerschaft

24. August 1972, Arnsberg – Gründung der Partnerschaft

Im Mai 1972 besuchte eine schottische Abordnung Arnsberg, im August des gleichen Jahres reiste eine Abordnung aus dem Hochsauerland nach Schottland. Und noch im August 1972 setzten die Repräsentanten des schottischen West Lothian Country Councils und des Kreises Arnsberg ihre Unterschriften unter die Partnerschaftsurkunde. Schon  wenige Jahre später sorgten kommunale Neuordnungen  für ein „neues Zuhause“ der Partnerschaft: dort war es der District West Lothian, hier der Hochsauerlandkreis; in den 90er Jahren erfolgte dann die Umstrukturierung in Councils.  „Ziel der Partnerschaft ist es, im Interesse der Völkerver­ständigung und der europäischen Einigung Menschen aus allen Kreisen, insbesondere der Jugend, Begegnungen unter­einander zu ermöglichen.“ Diese beurkundete Kernaussage verlangte gerade in den Anfangsjahren der Partnerschaft zwischen West Lothian und dem Kreis Arnsberg unerschüt­terliches Engagement.

In den ersten Jahren waren vor allem viele organisatorische Klippen zu umschiffen, um dem Anspruch des Kontakts, der Partnerschaft, gerecht zu werden. Rudolf Brüschke, der in der Arnsberger Kreisverwaltung mit dem Aufbau, der Begleitung der deutsch­schottisch Freundschaft betraut war, hat auch nach 40 Jahren nicht vergessen, welche organisato­rischen Probleme zu bewältigen waren, um etwa Besuche zu organisieren. Da gab es so manche Störungen per Telefon. Das Tele­Fax erleichterte die Aufgaben, die Verständigung, dann ein wenig. Und obendrein „holperte“ der Briefverkehr zunächst wegen eines Streiks.

Egon Mühr – als Kreisdirektor in Arnsberg und dann als Kreis­ und Oberkreisdirektor des Hochsauerlandkeises – war zusammen mit John Calder, dem Oberkreisdirektor West Lothians (und später als Geschäftsführer der West Lothian Twinning Association bis 1987, ihn löste Godfrey Fairbairn ab) stark engagiert. Sie waren viele Jahre für die Festigung der Partnerschaft verantwortlich. Das unterstrich Egon Mühr, der auch den Vorsitz der 1993 gegründeten Partnerschafts­vereinigung im Hochsauerlandkreis übernahm, in seinen  Erinnerungen zum „20­Jährigen“ der Verbindung: „Das Bäumchen Partnerschaft entwickelte sich zu einem starken, weit verzweigten Baum, der immer wieder neue, kräftige Zweige bekam. Als Wachstumshilfe wurden in West Lothian und im Sauerland, vom District Council und vom Kreistag, gerne die notwendigen jährlichen Finanzspritzen verabreicht.“ John Calder wurde im Jahr 1983 für seine Verdienste um die deutsch­schottische Freundschaft das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Der Motor der deutsch­schottischen Partnerschaft läuft und läuft. Im Laufe der Jahre konnte der Motor auf Automatik geschaltet werden. Der stete Kontakt wurde und ist zu einer erfreulichen Selbstverständlichkeit geworden. Wie auto­matisch die runden Jahre des Bestehens der Partnerschaft doppelt gefeiert werden. So reisten im Jahr des 20­Jährigen rund 850 Freunde der Partnerschaft zwischen den beiden Kreisen hin und her.

Aber eigentlich ist es jedes Jahr ein Fest, welch reger Austausch zwischen den beiden Regionen stattfndet. Sind Gegenbe­suche aus den Anfangsjahren prägende Geschichte für die Partnerschaft, so kamen mit den Jahren immer wieder neue Kontakte zwischen Vereinen, Verbänden und Personen zustande.

Einen Einblick vor allem ins Früher, aber auch ins Heute  der Begegnungen soll dieses „Jubiläumsbuch“ zum  40­-Jährigen geben.

Es versteht sich fast von selbst, dass die ersten  Besuchergruppen aus West Lothian in der beruflichen Heimat des VHS-Leiters Willi Odenthal, in der Heim-Volkshochschule in Langscheid Quartier bezogen. Aber alsbald baten die schottischen Freunde doch darum, etwas mehr Möglichkeiten zu haben, mal shoppen und ausgehen zu können. Auserkoren für die nächsten Besucher aus Schottland wurde daraufhin das Haus Sonnenschein. Das ist längst abgerissen; am Neheimer Berg befindet sich dort jetzt ein Kindergarten.