Jugendaustausch

von Wilfried Gundel

Schon im Jahr nach der Unterzeichnung der Partnerschafts­-Urkunde wurde deren prägender Bestandteil, der der Begeg­nungen, umgesetzt. Vom Jugendamt des Kreises Arnsberg. Willi Odenthal, der „Finder“ der Region West Lothian, machte sich mit dem Kreisjugendpfeger beim Kreis Arnsberg, Konrad Garske, daran, eine Jugendbegegnung zu organisieren. Das Echo zum Teilnahme­Aufruf war groß: Rund 40 junge Leute meldeten sich für die Fahrt an. „Für eine Fahrt ins  Neuland in jeder Hinsicht“, blickt Konrad Garske zurück.

Diese Jugendgruppe war mit Kreisjugendpfleger Konrad Garske (vordere Reihe) 1987 in Schottland. Es war die letzte internationale Jugendbegegnung in West Lothian, die der Kreisjugendpfleger leitete.

Diese Jugendgruppe war mit Kreisjugendpfleger Konrad Garske (vordere Reihe) 1987 in Schottland. Es war die letzte internationale Jugendbegegnung in West Lothian, die der Kreisjugendpfleger leitete.

Per Bus nach Rotterdam, mit dem Schiff nach Hull und dann weiter mit dem Bus nach Livingston. An diesem An­ und Rückreise­-System wird seit der Premiere im Jahr 1973 festgehalten. Vor Ort war die ersten Jahre John Calder der wichtigste Ansprechpartner; er hatte dann auch für ein  Programm für die jungen Gäste gesorgt. Untergebracht waren die Sauerländer zunächst in einer Farmer School und  in späteren Jahren in einer Motortechnik­-Schule (Motec)  in Livingston.

Nach der Bildung des Hochsauerlandkreises blieb für den Kreisjugendpfeger Konrad Garske, dann mit Büro in Meschede, Schottland ein besonderes Aufgabengebiet. „Garske ist Schottland“ hieß es mit den Jahren in der Verwaltung, bei den Jugendlichen und auch in Schottland. Bis zum Jahr 1987 pfegte er diese Aufgabe.

Vor den Fahrten wurden und werden die Jugendlichen zu einem Vorbereitungstreffen eingeladen. Das sei, so blickt Konrad Garske eher schmunzelnd zurück, vor allem in den ersten Jahren nötig gewesen. Denn mit Blick auf Schottland als Reiseziel gab es doch so einige falsche Bilder bei den Jugendlichen. Dass bei den Teilnehmern ein ganz anderes Bild entstand, machten die Treffen nach der Fahrt deutlich. Diese „Nachbereitungen“ waren freiwillig, aber stets trafen sich dort noch einmal fast alle Teilnehmer. War ja auch toll, die vielen Touren noch einmal Revue passieren zu lassen, noch mal über die Einladung des Landrats von Stirling zu einem Essen zu klönen. Oder sich daran zu erinnnern, beim weltweit bekannten Tattoo (Militärmusik­-Fest in Edinburgh) dabei gewesen zu sein, auch in dem Jahr als erstmals deutsche Militärmusiker mit hunderten anderen „Kollegen“ in die Arena auf der Burg einmarschierten.

All die Jahre waren geprägt durch unendlich viele Erlebnisse. Besonders aber erinnert sich der Mescheder an die Fahrten in den ersten Jahren, an die vielen Kontakte, die geschaffen wurden. Wobei ein Kontakt anfangs besondere Überredungs­künste verlangte: Der Aufenthalt der Jugendlichen bei Gast­familien, und wenn es nur für eine Übernachtung war.

Gehört der jährliche Besuch einer Jugendgruppe aus dem Hochsauerland in Schottland zum festen Programm, so dauerte es einige Jahre, bis Jugendgruppen aus dem Partnerschafts­kreis den Weg ins Sauerland fanden. Derweil hatte man beim Kreisjugendamt schon andere Teilnehmer­-Konstella­tionen im Auge. Schließlich reisten auch Pfadfnder aus Meschede nach Schottland (anlässlich des 10­jährigen  Bestehens der Partnerschaft). Der Stamm Wenholthausen der Pfadfinderschaft St. Georg hatte 1981 eine erste Schottland­fahrt auf dem Reiseplan. 1986 unternahm der Jungpfadfinder­trupp gar eine dreiwöchige Highland­-Tour; auch hier unter­stützte Pfadfinder Konrad Garske bei den Vorberei tungen. Und Jugendliche der Kolpingsfamilie Meschede gesellten sich bei einer Fahrt des Kreisjugendamtes dazu. Diese Begeg­nung im Jahr 1986 mit über 50 jungen Leuten steht als besonderes Highlight im Buch der überhaupt beeindruckenden Begegnungsgeschichte. Die schottischen Gastgeber hatten sich umso mehr Mühe gegeben, solch einer großen Besucher­schar ein informatives und kurzweiliges Programm zu bieten – bis hin zu einer Abschiedsparty mit Kartoffelsalat und Sauerland­-Knackern. Dabei überreichten die Leiter der Reisegruppe aus dem Sauerland einen Wappenteller an John Calder.

Viele Kontakte entwickelten sich aus diesen Begegnungen. Bei einigen (ehemals) jugendlichen Sauerländern wurden die Erinnerungen an die Schottland­-Fahrt auf eine ganz besondere Art wieder lebendig: Sie meldeten sich als Eltern beim Kreis­jugendamt, schwärmten von der tollen Zeit in und an den Highlands – und woll(t)en ihre Kinder zu einer Begegnungs­fahrt nach Schottland anmelden. Das sollte kein großes Problem sein: Das Kreisjugendamt organisiert weiterhin jährlich Jugendbegegnungsfahrten nach West Lothian.

Bei einer Fahrt nach Schottland gab es in Rotterdam eine Panne. Nachdem die Jugendlichen mit ihren Begleitern das Schiff geentert hatten, ging Konrad Garske – sonst in diesen ersten Stunden auf dem Schiff um die Einquartierung der Reisenden bemüht – noch mal an Deck und blickte zurück Richtung Hafen. Und sah dort den Bus aus dem Sauerland, der doch eigentlich mit aufs Schiff gehörte. Der Reiseleiter wandte sich an einen Schiffsoffizier und dann an den Kapitän und wies auf das Problem hin. „Ich habe den Kapitän angefleht zur Anlegestelle zurückzufahren.“ Der Kapitän ließ sich schließlich überreden und legte noch einmal an, damit die Reisenden aus dem Sauerland ihren Bus samt Fahrer an Bord begrüßen konnten.